Mailand treibt mich an, Menorca erdet mich – dazwischen finde ich mein neues Tempo 

Eine neue Stadt, ein neues Land. Und vor allem: ein neues Tempo.

„Vom Bekannten ins Neue“

Es fehlten feste Strukturen, es gab keinen vertrauten Rhythmus, an dem ich mich entlang hangeln konnte.

Das fühlte sich wunderbar frei an – und zugleich überraschend anstrengend. Alles schien möglich. Und genau deshalb manchmal nichts.

Besonders in den ersten Monaten spürte ich beides: die Euphorie – und die Leere dazwischen.

Ich habe die Stadt erkundet, zig Espressos in kleinen Bars getrunken, Yogastudios ausprobiert, Aperitivo-Abende erlebt und versucht, in diesem neuen Leben so etwas wie Alltag zu finden. Innerlich blieb vieles unsortiert.

Mailand war neu, Hamburg nicht mehr mein Zuhause und Menorca mein Sehnsuchtsort. Ich fragte mich, wo ich eigentlich hingehöre.

Jetzt, ein Jahr später, fühlt es sich anders an. Mailand und ich haben uns arrangiert.

Vom Alleinsein zur Verbindung

Netzwerken liegt mir nicht besonders.

Ich mochte diese klassischen  Vorstellungsrunden noch nie. Räume voller Menschen mit einem Glas in der Hand, die erzählen, wer sie sind und was sie tun. Lieber stand ich schon immer mit meinen vertrauten Menschen am Käseigel.

Umso zögerlicher trat ich einem Expat-Club bei. Nur Romy zuliebe ließ ich mich darauf ein – und landete bei „Benvenuto a Milano“.

Aus Neugier. Und aus dem Gefühl heraus, dass es an der Zeit war, mich ein Stück weiter zu öffnen.

Und plötzlich waren sie da:

Frauen, die zuhören, nachfragen, Nummern tauschen. Echte Verbindungen entstehen. Mailand wird mir immer vertrauter, mit jedem Treffen, jedem Gespräch. Und das Schöne am ankommen ist, dass ich gar nicht gemerkt habe, wann genau es eigentlich passiert ist. Nicht laut, sondern leise!

Menorca: Der leise Gegenpol

Während ich in Mailand lernte, mich neu zu orientieren, blieb ein Ort unverändert.  Menorca – ruhig, klar, ehrlich. Mein Gegenpol.

Eine Insel, die ich nicht nur besuche, sondern fühle.

Und mit ihr die Menschen, die sie auf ihre eigene Weise leben.

Menschen mit ähnlichen Werten. Menschen, die am Tresen zusammenrücken, damit noch zwei Schultern Platz finden.

Ich liebe den März.

Besonders auf Menorca, ist er so viel mehr als nur ein neuer Monat.

Er ist ein Monat des „Leisen Erwachens“.

Eine erste Verheißung auf den Sommer liegt in der Luft.

Auf meinem Weg nach Sant Lluís  sehe ich den netten alten Herrn, der mich immer so freundlich grüsst auf einem Stuhl vor seinem Haus sitzen. Er unterhält sich mit einer Nachbarin, lächelt mir freundlich zu.  Viele Fenster stehen bereits weit offen, Vorhänge bewegen sich in der leichten Brise. Die Luft verändert sich. Das Licht wird weicher.Und plötzlich kehrt dieses Gefühl von Möglichkeiten wieder zurück.

Selbst mein Gang ist beschwingter, leichter. Energie fließt zurück. Ich freue mich auf meine Tage auf der Insel.

Mein perfekter Tag

Mein perfekter Tag auf der Illa beginnt früh, mit:

Yoga bei Marcela Frey – 

ankommen, atmen, loslassen. Oft in der Casabeja von Katja Loher. Ein Ort mit stiller Magie.

Danach ein Cappuccino.

Entweder im Pipet & Co. – erste Kaffees am Morgen, bekannte Gesichter, ein vertrautes Nicken, der beste Carrot Cake.

Oder im

Esforaster, das sich wieder füllt.

Abraham zeigt die neue Kollektion, während hinter der Bar Luis Avocado-Brote und Cappuccinos zubereitet.

Umarmungen nach der Winterpause.Viele „¿Hola, que tal…“ Gespräche auf Spanisch und Englisch.

Ein eigenes Tempo, das ich fast verlernt hatte. Ich lasse mir Zeit, plaudere mit Monica in der Xarcuteria es Molí, kaufe Gemüse und Obst, kilómetro zero –  und fahre dann

ans Meer:

nach Benissafúller. Oder Sa Mesquida.

Fast immer gehört auch ein  Abstecher zur Illa del Rei, Hauser und Wirth dazu.

Ich fahre mit dem Shuttleboot zum späten Lunch ins La Cantina. Kunst, Geschichte, Wasser, dieser besonders schõne – von Piet Oudolf gestaltete Garten.

Yoga am Morgen, der Blick aufs Meer, der Atem, der ruhiger wird.

Katja, die ab Juli neue Ausstellungen mit „Plankton Manifesto“ auf die Insel bringt.

Diese spürbare Energie in der Luft.

Und das Meer – noch kühl, klar, fast unberührt.

Es lädt ein, langsam wieder einzutauchen. Ich sitze auf dem Felsplateau in Benissafúller, genieße die Wärme des Steins, schaue aufs Wasser. Ich tauche meinen Fuß hinein, es ist sehr kalt, vielleicht gehe ich rein, vielleicht nicht. Alles ist möglich.

Vielleicht ist es genau das, was mich immer wieder zurückführt.

Es ist das beruhigende Gefühl, das alles seinen Platz hat.

Und ich auch. Ich habe hier etwas gefunden, das unendlich kostbar ist: Verbindung, zur Insel, zu den Menschen, zu mir.

Lieblingsorte & Adressen

Marcela Frey
Yoga & Retreats
Instagram: @marcelafrey

Katja Loher / Casabeja
www.katjaloher.com

Pipet & Co.
Plaça Bastió, Maó

Esforaster
Carrer de Sant Lluís 60, Sant Lluís

La Cantina
Illa del Rei
www.cantinamenorca.com

Xarcuteria es Molí

Carrer de Sant Lluís, Sant Lluís